Interview mit Magnus Zawosky, Redakteur der Nürnberger Zeitung, in voller Länge

Erschienen am 31.Mai 2014

"1.) Frau Kempken, sprechen wir doch gleich von Ihrer neuen CD. Ihr erstes Solo-Album heißt Lieblingslieder  . . .  Lieblingsmänner". Das macht natürlich neugierig: Wer sind denn Ihre Lieblingsmänner? Wie soll man als Mann sein, um zu Ihren Lieblingen zu zählen?

Geduldig, humorvoll, spontan, kreativ und fantasievoll, und Genussmensch sollte er sein, aber disziplinierter als ich, was den praktischen Alltag betrifft. Auch die Komponisten meiner Lieblingslieder zähle ich zu meinen Lieblingsmännern. Zu gerne hatte ich sie persönlich kennengelernt, wenn Cole Porter, George Gershwin, Irving Berlin und Fats Waller nicht leider alle schon tot wären. Insbesondere Cole Porter muss ein wahrer Frauenversteher gewesen sein, wenn man seine Texte liest und dazu noch diese fantastischen Melodien singen darf.
2.) Die meisten Sängerinnen und Sänger geben sich alle erdenkliche Mühe, jedem Lied ihren ganz pers önlichen Stempel aufzudrücken. Es soll unverwechselbar nach dem Interpreten und seinen gesanglichen Markenzeichen klingen. Sie machen es genau umgekehrt: Sie passen sich dem Lied an. Sie lassen ihr Ego in den Hintergrund treten. Je nach Song klingen Sie dann kindlich, naiv und fast schon piepsig oder aber rauchig, sinnlich und fast schon verrucht. Doch hat man den Eindruck, dass Sie nie in solch einer Rolle gänzlich aufgehen, sondern jede Rolle ironisch brechen, mit einem Augenzwinkern darstellen. Täuschen mich meine Eindrücke?

Als gelernte Schauspielerin liebe ich das Rollenspiel. Wenn mir dies auch rein stimmlich gelungen ist, freut es mich. Mir ist wichtig, dass beim Zuhörer keine Langeweile aufkommt und er immer wieder überrascht wird. Da dies meine erste Gesangs CD ist, lote ich hier zunächst alle meine Möglichkeiten aus. Ich  bin gewissermaßen noch auf der Suche nach meinem eigenen, unverwechselbaren Stil. Das ich mein Ego in den Hintergrund treten lasse…na da sollten Sie mich mit diesem Programm mal live auf der Bühne erleben (lacht schelmisch). Gerne spiele ich dort mit Klischees und parodiere erwartete Interpretationen, wie z.B. bei „My Heart Belongs to Daddy“, dessen Text im Live Programm von mir ein wenig verändert wurde. 
3.) Sie haben Cole Porters "Night und Day" ins Fränkische übersetzt. Hört man dann zur vertrauten Melodie "Nachd und Dooch", dann zuckt man schon ein bisschen, zumindest als Nicht- respektive Wahlfranke. Wie kommt das denn beim fränkischen Publikum an? Natürlich bestens, vor allem wenn man mich dazu sieht. Dies ist in der Tat eine sehr komödiantische Interpretation, die auch in den anderen Bundesländern durchaus verstanden wird. Ich verstecke dort nicht, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin und wo meine Wurzeln liegen, denn seit meinem siebten Lebensjahr wohne ich in Nürnberg und fühle mich hier beheimatet. Hochdeutsch wurde zu Hause gesprochen, mein Vater war der Schauspieler Helmut Kempken, und dann prägten mich die Schule und das bunte Leben in der Nürnberger Südstadt. Als typische Fränkin bin ich übrigens jeden Freitag auf Antenne Bayern zu hören in der Comedy Serie „Metzgerei Boggnsagg“ von und mit meinem fantastischen Kollegen Bernd Regenauer.


4.) Ein bisschen Kritik muss auch sein. Ausgerechnet bei einem Lied der Comedian Harmonists ("In der Bar zum Krokodil") offenbart sich, wie ich herauszuhören glaube, bei Ihnen ein gewisser Hang zum Schmettern, quasi zum Heldentenor...

Da verwende ich in Teilen die Technik meiner ursprünglich klassischen Gesangsausbildung. Ich hatte übrigens die gleiche Gesangslehrerin wie Nessi Tausendschön. Diese Technik hat mich leider anfangs sehr behindert, denn der Jazz erfordert natürlich eine ganz andere Stilistik. Aber, wie gesagt, ich möchte den Zuhörer immer wieder überraschen.


5.) Wann und wie ist Ihnen das erste Mal klar geworden, dass Sie auf der Bühne stehen wollen, dass Sie eine Künstlerin werden wollen, und was haben Ihre Eltern dazu gesagt? Wenn ich mir heute meine Kinderbilder anschaue, auf denen ich in den verschiedensten, selbstgestalteten Kostümen posiere und mich erinnere, dass Fasching für mich das Highlight des Jahres war, bei dem ich in meiner jeweils gewählten Rolle aufging und Dinge wagte, die ich sonst nicht wagte, würde ich sagen, dass alles schon sehr früh begann. Leider hatten meine Eltern ganz anderer Pläne für mich, da speziell meinem Vater aus eigener Erfahrung bewusst war, wie schwer der Weg eines Schauspielers ist, insbesondere wenn man versuchen muss, eine Familie zu ernähren. Spätestens in der Schultheatergruppe war mir klar, wo mein Talent liegt. Dennoch versuchten meine Eltern nach wie vor, mich für eine vernünftige Berufsausbildung zu begeistern, mit dem Ergebnis, dass ich mit 18 sofort genervt von zu Hause auszog, in eine WG mit Klassenkameraden. Nach dem Abi wurde mir die Entscheidung der weiteren Berufsausbildung durch die Ankündigung meines ersten Kindes abgenommen. Nummer Zwei folgte kurz darauf, und da es in Nürnberg keine Schauspieleschule gab und das Aufnahmealter der staatlichen Schulen bei 23 Jahren lag, war dieser Zug erstmal abgefahren. Glücklicherweise fand ich in Nürnberg und München gute Privatlehrer und Schulen, mit deren Hilfe ich in den folgenden Jahren neben der Versorgung meiner beiden Kinder eine solide Ausbildung in Tanz, Gesang und Schauspiel machen konnte.


6.) Wie haben Sie als Künstlerin angefangen, und wie verlief ihr weiterer Weg? (Das ist die Pflichtfrage zur Biographie.)

Ich habe auf der Straße angefangen. Mein erstes Geld habe ich mir mit Oliver Tissot verdient, indem wir 1987 in  der Nürnberger Fußgängerzone, ausgerüstet mit Kassettenrekorder, einigen Holzplatten und nostalgischen 20er Jahre Kostümen, eine Steptanz-Slapstick Show zeigten. Eigene Choreografien, eigenen Ideen und Kostüme und mit meinen beiden kleinen Kindern im Schlepptau. Bald folgten erste Engagements, und ein unvergessenes Highlight waren unsere Auftritte 1988 in Seoul während den Olympischen Spielen, im Auftrag des Goethe Instituts. Wir gaben uns den Namen „The White Hot Pepper Steppers“ und waren bald sehr erfolgreich mit einem abendfüllenden Programm unterwegs auf Frankens Kleinkunstbühnen. Oliver war damals noch hauptberuflich Grafiker und ich wollte meine Bühnenkunst weiterentwickeln. So suchte ich mir neue Künstlerkollegen, gründete meine erste Band, die „Miss Juli K. Band“ und nahm Gastengagements an verschiedenen Theatern an, um Berufserfahrung im Schauspiel zu sammeln. Da ich schon immer nebenbei sehr gerne unterrichtet habe, um mein Wissen speziell im Steptanz weiterzugeben, gründete ich 1997 meine eigene Tanzschule. Inzwischen war meine Kinderschar auf vier angewachsen und dennoch schaffte ich es, immer wieder eigene Bühnenprogramme zu entwickeln. Die Erweiterung meiner Tanzschule 2003 zur „Tanzfabrik“ mit mittlerweile vier Tanzstudios und 23 Dozenten für nahezu alle Tanzsparten, bot mir die räumliche Möglichkeit, selber Veranstaltungen durchzuführen. So gründete ich dort 2006 das Kleinkunsttheater „rote Bühne“, in dem bisher jährlich an die 60 Vorstellungen stattfinden. Außer eigenen Produktionen kann ich dort auch die Programme vieler meiner Lieblingskünstlerkollegen, und vor allem Kolleginnen zeigen. Seit 2011 ist der gemeinnützig anerkannte „Kulturverein rote Bühne e.V.“ Träger des mittlerweile etablierten und weit über die Grenzen Frankens bekannten Theaters.


7.) Ihr Repertoire schöpft aus den zwanziger, dreißiger und vierziger Jahren. Woher kommt die Faszination für eine Zeit, die keineswegs so idyllisch war, wie uns die alten Lieder glauben lassen, sondern in Wahrheit von Wirtschaftskrisen, Diktaturen und Krieg geprägt wurde?

Für mich steht die frühe Jazzmusik und der Swing für Lebensfreude und Energie, welche die Menschen gerade in harten Zeiten besonders brauchen. Vielleicht beflügeln schlechte äußere Umstände gerade deshalb das Entstehen neuer kultureller Ausdrucksformen. Auch in der bildenden Kunst waren gerade die 20er Jahre in Europa extrem produktiv und innovativ. Ebenso im Tanz und in der Architektur. Leider wurde im dritten Reich diese Entwicklung drastisch beschnitten, weswegen der Jazz erst nach dem Krieg bei uns wieder aufblühen konnte. Aber es waren schon immer viele Schicksale mit dieser ursprünglich von den ehemaligen schwarzen Sklaven in Amerika ins Leben gerufenen Stilistik verbunden. So verlor z.B. Glenn Miller, dessen fröhliches „In The Mood“ auch zu meinen Lieblingsliedern zählt sein Leben in einer Militärmaschine über dem Ärmelkanal. Oder auch eine der bedeutendsten Frauenfiguren des 20. Jahrhunderts, die sich für Menschenrechte einsetzte, gegen Rassismus kämpfte und als eine der emanzipiertesten und unabhängigsten Künstlerinnen gilt, Josefine Baker, hatte eine unglaublich harte Kindheit und Jugend. Und dennoch, sie ist  die Erfinderin des Charleston, dieses sinnlichen und lebensfrohen Tanzes.


8.) Bitte erläutern Sie uns das Konzept von "Burlesque".

Der Burlesque Tanz  heute ist eine Kunstform des körperbetonten Postfeminismus. Ein erotischer, teilweise exotischer Tanz, der sich vieler Stilistiken bedient, vom Jazztanz, Ballett, Latin, Afrikanischen und orientalischen Tanz bis zum Ausdruckstanz à la Isadora Duncan. Angereichert mit Stripteaseelementen steht dieser Stil in der direkten Tradition der Nackttänzerinnen der 20er bis 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Nach radikalem Verbot, zumindest in Deutschland und durch die Prüderie der 50er Jahre, insbesondere in Amerika, mussten die Brüste der Tänzerinnen immer bedeckt bleiben, was zur Erfindung der sogenannten Paisties oder auch Tassels genannt, führte. Für den Franken: „Nibbelhüdle mid Bommala dro“. Da die Burlesque im ursprünglichen Wortsinn „possenhaft“ bedeutet beinhaltet sie meist auch komische, parodistische Elemente und spielt mit klischeehaften Frauenbildern. Sie kann bis ins Groteske gehen und zeigt selbstbestimmte Frauen, die sich in dieser Kunstform mit ihrem Körper und ihrer Sexualität auseinandersetzen und dies auf äußerst unterhaltsame Weise darstellen.


9.) Sie verkörpern alles, was Männern Freude bereitet. Wie reagieren andere Frauen darauf? Welche Anfeindungen haben Sie erlebt?

Ich habe noch nie bewusst Anfeindungen von Frauen erlebt, im Gegenteil habe ich eher das Gefühl, dass sie sich durch mich bestärkt fühlen, ihren eigenen Weg unabhängig von Männern oder gesellschaftlichen Konventionen gehen zu können.


10.) Was war Ihr schönstes Erlebnis auf der Bühne?

Das ist genau so schwer zu beantworten, wie wenn sie mich nach meinem schönsten Orgasmus fragen würden. Es ist immer dann am schönsten auf der Bühne, wenn die Verbindung zum Publikum funktioniert, es ist ein Geben und Nehmen, wenn dieser Flow stimmt und beide Seiten lachen und sich freuen, ich improvisiere und immer wieder neue, frische Dinge entstehen, musikalisch, humoristisch, tänzerisch. Das ist unabhängig von der Anzahl der Zuschauer oder der Größe des Theaters. Besondere Auftritte waren für mich meine Vorstellungen am Staatstheater in „Schweig Bub“ oder im Stadttheater Fürth mit „Metzgerei Boggensagg“, weil ich dort mit fantastisch guten Schauspielerkollegen zusammenarbeiten durfte. Oder auch Gesangsauftritte mit Big Band, wie z.B. der K.B. Jungle Band aus Erlangen.


11.) Wie können wir uns Ihren Alltag vorstellen? Wie viele Stunden trainieren Sie täglich und was? Was haben Sie gestern zu Mittag gegessen?

Mein Alltag besteht leider meist zur Hälfte aus Büroarbeit. Zwei Betriebe sind zu managen, dann mein eigenes Künstlermanagement, nebenbei noch der Haushalt, da hätte ich gerne mehr Zeit zum Üben. In Spitzenzeiten, vor Premieren,  probe, übe bzw. trainiere ich bis zu 10 Stunden am Tag. Außerdem unterrichte ich noch 10 Tanz- und Fitnessklassen pro Woche. Freie Tage sind sehr rar, da die Wochenenden auch meist belegt sind. Aber dafür kommt nie Langeweile auf und meine Arbeit fühlt sich nicht immer wie Arbeit an. Zu Mittag esse ich meist erst am Nachmittag, da mein Arbeitsrhythmus bis spät in die Nacht dauert, es dafür morgens deutlich später losgeht. Meist gehe ich dann aus dem Büro oder Tanzstudio schnell zum Asiaten oder Türken um die Ecke.


12.) Sie sind die künstlerische Leiterin der "Roten Bühne". Die aber steckt in Schwierigkeiten... (Hier können Sie sich, wenn Sie möchten, auch gerne mal ausgiebig beschweren.)

Als Gründerin, erste Vorsitzende des Kulturvereins und künstlerische Leiterin der roten Bühne trage ich die Hauptverantwortung für dieses kleine Theater, das in seiner Struktur ähnlich professionell wie ein großes Haus aufgebaut ist. Wir haben ein Betriebsbüro mit einem Mitarbeiter für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Sozial Media Marketing und redaktioneller Textarbeit. Mit einem Volumen von ca. 60 Vorstellungen pro Jahr ist der Bereich des mittlerweile überregionalen Ticketverkaufs und des Rechnungswesen auch nicht ehrenamtlich zu besetzen. Hinzu kommen die Personaldisposition, die Mitgliederverwaltung und Betreuung, die jährlichen Antragstellungen und Sachberichte für die Stadt und den Bezirk Mittelfranken. Zweimal im Jahr erscheint ein gedrucktes Programmheft. Wir holen professionelle Künstler aus ganz Deutschland, teilweise England, Frankreich und der Schweiz nach Nürnberg. Natürlich treten auch unsere Lokalmatadoren bei uns auf und speziell jungen Newcomern bieten wir eine professionell Plattform in unserer Reihe „Frisch, frech, frei!“.  Bei einem 120 Plätze Haus können wir nicht kostendeckend arbeiten, da neben den laufenden Personal und Mietkosten unsere professionellen Künstler natürlich auch anständig bezahlt gehören und wir keine Verfechter der zunehmenden „alles umsonst“ Kultur sind. Anscheinend aber sollen wir das Unmögliche schaffen, was von keinem Stadt- oder Staatstheater erwartet wird,  und erhielten in den letzten Jahren lediglich eine jährliche Förderung durch die Stadt von 2500  € und vom Bezirk 1000 €. Somit standen wir im vergangenen Jahr vor einem riesigen Schuldenberg und kurz vor der Schließung. Dank eines großen Presseechos und dem Einsatz unseres ersten Bürgermeisters erhielten wir zusätzliche Stiftungsgelder von einmalig 8000€, eine Erhöhung des Jahresetats auf 3000 € und ab diesem Jahr auf 6000 €. Wenn allerdings dieses Jahr nicht auch  zusätzliche Stiftungsgelder dazukommen, werden wir Ende diesen Jahres wieder von der Schließung bedroht sein. Mittlerweile haben über 5000 Bürger aus Nürnberg und dem Umland ihre Unterschrift zum Erhalt dieser Kleinkunstbühne geleistet und wir konnten viele neue Fördermitglieder gewinnen, sowie private Spenden entgegen nehmen. Dennoch können wir ohne eine dauerhafte und garantierte öffentliche Förderung von Minimum 25.000 € Jahresetat nicht weiterexistieren und appellieren im Namen vieler Bürger und Künstler nun an den neu gewählten Stadtrat.


13.) Wie geht es dem anderen Projekt, das Sie leiten, der "Tanzfabrik"?

Die Tanzfabrik ist seit ihrer Gründung 1997 ein Generationenübergreifender Treffpunkt geworden, mit Schülern und Schülerinnen  aus über 30 Nationen und mit mehr als 20 Dozenten/innen für nahezu alle Tanzsparten. Leider wird es vielen tanz- und lernwilligen Menschen in den letzten Jahren sehr erschwert an regelmäßigen Tanzkursen teilzunehmen. Veränderte Arbeitszeiten, hohe Mobilitätsanforderung im Beruf und bei Schülern  kaum Freizeit auf Grund von G8. Dennoch kann sich die Tanzfabrik halten und genießt einen ausgezeichneten Ruf, da unser Unterricht sehr qualifiziert und kontinuierlich, sogar in den Ferienzeiten, stattfindet. Die familiäre und freundschaftliche Atmosphäre sorgt für Entspannung vom Alltag. Die Bildungsgutscheine für Kinder und Jugendliche können bei uns eingelöst werden und Nürnberg Pass Inhaber/innen müssen bereits seit vielen Jahren nur die Hälfte der Gebühren bezahlen. Weiterhin unterstütze ich verschiedene Sozialverbände und Wohlfahrtsvereine, indem ich Ihren Zöglingen gratis Unterricht ermögliche. So haben wir derzeit zehn  Sozialstipendiaten/innen.


14.) Was ist der Sinn des Lebens?

Wenn ich über den Sinn speziell meines Lebens nachdenke, komme ich schnell an einen Punkt, an dem mein Anspruch und die Wirklichkeit auseinanderklaffen. Ich muss aufpassen, dass mich nicht eine zu große Frustration überfällt, denn ich habe hohe Maßstäbe. Aufgewachsen bin ich in einem christlichen Elternhaus, in dem das Ideal der Nächstenliebe und soziales Engagement sehr viel galten, Pazifismus, Toleranz und Völkerverständigung prägende Ideale waren. Hinzu kamen für mich in meiner Jugend der Umweltschutz und die Gleichstellung der Frau. Daraus folgte bereits in meinen Teenager Jahren politisches Engagement mit dem Ziel. Die Welt zu verbessern. Doch mein Alltagskampf als alleinstehende Mutter von zwei kleinen Kindern ohne Berufsausbildung ließen kaum Zeit mehr für diese Aktivitäten. Viele meiner Ideale habe ich nicht wirklich konsequent gelebt, habe aber versucht, sie dennoch an meine Kinder weiterzugeben. Genau darin sehe ich einen wichtigen Sinn des Lebens: mit humanistischen Idealen seine Kinder zu erziehen und ihnen Geborgenheit und Sicherheit geben. Dazu zählen für mich folgende wichtige Leitsätze: „Freiheit ist die Freiheit des Anders Denkenden“ und „Tue keinem etwas an, das du auch dir nicht angetan haben möchtest“. Rein Biologisch betrachtet ist unsere Arterhaltung, die Verbreitung unseres Genmaterials der Sinn des Lebens. Dieses Egoistische Ziel der Natur müssen wir mit Hilfe unseres Intellekts mit einigen unbequemen Regeln  steuern, um Ungerechtigkeit, Ausbeutung von Mensch und Natur, Kriege und Nuklearkatastrophen zu vermeiden. Ein hohes Ziel, zu dem jeder im Kleinen beitragen kann und sollte. Und wenn es mir mit meiner Kunst gelingt, Menschen zum Lachen und Staunen  oder auch Nachdenken zu bringen, sie für einige Minuten oder Stunden glücklich zu machen, sehe ich auch hierin den Sinn meines Lebens gut verwirklicht.

15. Zu Ihrer Frage wie ich mir den „Text“ der Skatgesänge merken kann:

Da Skatgesang im Jazz Improvisation ist, und der Spaß darin besteht, es jedes Mal anders machen zu dürfen, brauche ich mir keinen Text und Melodien merken. Natürlich muss ich die musikalische Form des jeweiligen Stückes auswendig wissen und im Hinterkopf immer mitverfolgen, damit ich mich  nicht „verlaufe“ und genau weiß, wann das Ende kommt.So wird jedes Lied im Konzert immer ein wenig anders von mir interpretiert.


Wenn es noch etwas gibt, was Sie gerne der Öffentlichkeit sagen wollen, wonach ich aber dummerweise nicht gefragt habe, schreiben Sie es auf! Die entsprechenden Fragen kann ich dann ja noch dazustellen.

Mein neuestes Projekt sind die „Jazz Rebels“, eine - Old School – Vintage – Showband –, mit einigen der besten und erfahrensten Traditional Jazz Musiker der fränkischen Szene. Wir machen derzeit „Guerilla Entertainemant“ in der Nürnberger Innenstadt. Dort kann man uns an den Wochenenden bei schönem Wetter vor der Lorenzkirche als Straßenmusiker/innen antreffen.  Mit Swigmusik, Steptanz, Ragtime und Charleston. Oftmals sind die“ Charleston Diamonds“ der Tanzfabrik mit dabei. Spaß für beide Seiten...für uns und die Zuschauer!